Kurzgeschichten

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Der Glasbrecher

Harry Keaton ist der Glasbrecher. Ein unglaublicher Comdey-Act.

 

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Harry Keaton

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Die Kunst, den Partner zu vernaschen

von Harry Keaton

Essen und die Lust, das weiß der Volksmund, sind eng miteinander verbunden. Denken Sie nur an Sprichwörter wie "Ich habe dich zum Fressen gern" oder „Liebe geht durch den Magen“. Mit einer Einladung zum Essen beginnt oft ein neuer Liebeszauber. Manche Ur-Völker haben gar dasselbe Wort für "essen" und "miteinander schlafen". Aber geht Liebe wirklich durch den Magen? Ist Liebe nicht vor allem eine Herzensangelegenheit?

Nehmen wir an, dass uns ein Mensch partout nicht lieben will. Kann ich mir wie ein Alchimist das Liebesglück am Herd anrühren? Ist der Magen das Hintertürchen, durch das die Liebe doch noch eintreten kann? Sind Herz und Magen wirklich gleichberechtigte Organe im Wettkampf um die Liebe? Nach dem Motto „Viele Wege führen zum Ziel“? Das wäre ja nicht schlecht: Wenn es zwei Liebesorgane gibt, erhöht sich unsere Chance auf Liebesglück. So gesehen wünschte ich mir noch mehr davon. Wie wäre es beispielsweise mit der Milz? Allerdings … die Milz ist ein Organ, das uns Menschen nur selten Probleme bereitet. Das wäre nun in Sachen Liebe zu schön um wahr zu sein. Der Magen dagegen ist ein regelrechtes Stimmungsbarometer – er meldet deutlich jedes Auf und Ab in unserer Gefühlswelt.

Die Liebe geht durch den Magen – als wäre es so einfach: Wenn ich mit meiner Frau essen gehe, liebt sie dann mich oder in Wahrheit den 5-Sterne-Koch? Was muss ich essen, um Schmetterlinge im Bauch zu haben? Etwa Raupen? Und essen Menschen mit einer Vorliebe für Quickies am liebsten 5 Minuten Terrine und Fast Food?
Casanova schwor seinerzeit auf Austern, Kaviar und rohe Eier. Aber wer glaubt im Zeitalter von Viagra & Co noch an Lebensmittel als mächtige Aphrodisiaka? Der Genuss von Schafkotelett garantiert eben kein Schäferstündchen und ein Negerkuss keinen … nein, keinen Neger…ich meinte natürlich „Ein Eiweißschaumhütchen mit afrikanischem Migrationshintergrund, formerly known as `Mohrenkopf´“. Uff!

Es sind also nicht so sehr die Zutaten, es ist die Haltung während der Zubereitung: Ein liebevoll gekochtes Essen in einem schönen Ambiente ist eine Streicheleinheit für Magen und Seele. Einmal hatte ich eine Freundin, die extrem auf ihre Figur achtete. Sie hat noch nicht einmal an einer Briefmarke geleckt – aus Angst zuzunehmen. Dann war sie bei den Weight Watchers und zählte ständig Points. Naja, sie hat zwar nicht abgenommen, kann aber jetzt supergut rechnen. Jedenfalls sind wir heute nicht mehr zusammen …immer nur Milch mit 0,1% Fett ist auf Dauer nicht auszuhalten. Und auf Weihnachtsmärkten war sie ohnehin schlecht gelaunt, weil es keine Lebkuchen light gab.

Wer seinen Partner zum Fressen gern hat, sollte das Sprichwort allerdings nicht zu wörtlich nehmen. Das Sprichwort verrät ein Grunddilemma in der Liebe. Einerseits wollen wir den Partner vor Lust und Liebe verschlingen, um ihn fest in uns zu haben. So hoffen wir, ihn niemals zu verlieren. Andererseits ist der Reiz verloren, wenn das Gegenüber vollständig vereinnahmt ist. Fazit: Vernaschen Sie ihren Partner, aber vertilgen Sie ihn nicht ganz. Denn ein Partner ist ein Geschenk, kein Besitz. Diese wunderbare Balance zwischen Haben-wollen und Loslassen-können hält die Liebe lebendig. Das ist die Magie im Alltag. Viel Glück. Und: Bon appetit!